Der Cold Case Cornelia Pfau


11. Januar 1990 | Ebringen, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Andreas Schwarzkopf, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons


📍 Tatort & Zeit


Ebringen, 11. Januar 1990. Zwei Joggerinnen finden am frühen Morgen am Waldrand zwischen Ebringen-Talhausen und Wittnau eine Frau. Sie ist teilweise entkleidet, leblos, in einem einsamen Waldstück nahe Freiburg. Die Frau ist 26 Jahre alt. Sie heißt Cornelia Pfau. Ihr Mörder ist bis heute nicht gefasst.


🔍 Was geschah

Der Abend des 10. Januar 1990 beginnt unspektakulär. Cornelia Pfau, 26 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter, hält sich im Freiburger Stadtteil Haslach auf. Gegen 23 Uhr wird sie zuletzt an der Bushaltestelle Opfinger Straße / Rankackerweg gesehen, mit mehreren Taschen und Tüten bei sich, schwer beladen.

Sie hat keinen Führerschein und trampt regelmäßig. An diesem Abend steigt sie Zeugenaussagen zufolge in ein helles Fahrzeug, den Fahrer soll sie offenbar gekannt haben. Was dann geschieht, ist bis heute ungeklärt. Am nächsten Morgen liegt sie tot im Wald. Die Ermittler stellen fest: Sie wurde vergewaltigt und anschließend erwürgt.

Die Polizei leitet sofort umfangreiche Ermittlungen ein. Flugblattaktionen, Radiomeldungen, Zeugenbefragungen. DNA-Spuren werden gesichert. Doch trotz allem: Der Täter wird nicht identifiziert. Der Fall landet in der Schublade. Es ist ein Cold Case.


👤 Täter / Verdächtige

Wer Cornelia Pfau tötete, ist bis heute unbekannt. Der damalige Freund wurde als Täter ausgeschlossen. Die DNA-Spur, die am Tatort gesichert wurde, ergab bislang keine Übereinstimmung in der Datenbank. Zeugen berichten, Cornelia sei zu einem Mann ins Auto gestiegen, den sie vermutlich kannte. Doch wer dieser Mann ist, bleibt offen.

Ihre Tochter Natascha vermutet, dass der Täter möglicherweise aus dem sozialen Umfeld ihrer Mutter stammte. Einem Umfeld, das von Unruhe, häufigen Ortswechseln und schwierigen Lebensverhältnissen geprägt war.


⚖️ Ermittlung & aktueller Stand

Jahrzehnte lang passiert: nichts. Erst 2021 wird der Fall im Rahmen des landesweiten Cold-Case-Managements des LKA digitalisiert und neu bewertet. Neue Ermittlungsansätze ergeben sich zunächst nicht.

Dann kommt Bewegung von einer unerwarteten Seite. Natascha Pfau, inzwischen Mitte vierzig, geht 2023 mit einem YouTube-Video an die Öffentlichkeit. Der Titel: „Wer ist der Mörder meiner Mutter?“ Die Resonanz ist enorm, hunderte Hinweise gehen ein.

Im Januar 2026 wird der Fall im ZDF in der Reihe „Verbrechen! True Crime“ ausgestrahlt. Parallel sollen ab Frühjahr 2026 Studierende der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen die freigegebene Akte im Rahmen eines Cold-Case-Seminars neu analysieren. Der Datenschutzbeauftragte hatte dies lange blockiert, nun ist der Weg frei.


Besonderheit

Was diesen Fall so eindringlich macht, ist nicht nur das Verbrechen selbst, sondern die Frau, die sich weigert, es vergessen zu lassen. Natascha Pfau war sechs Jahre alt, als ihre Großmutter ihr sagte: „Mama kommt nicht mehr nach Hause.“ Seitdem lebt sie mit einer Frage, auf die es noch keine Antwort gibt.

35 Jahre später kämpft sie mit YouTube-Videos, Petitionen und Medienauftritten darum, dass ihr Fall nicht in Vergessenheit gerät. Es ist eine Geschichte über eine Mutter, die ermordet wurde und eine Tochter, die nicht aufgibt. Und es ist eine Geschichte, die zeigen, wie eine Einzelperson das System in Bewegung bringen kann, wenn offizielle Stellen längst aufgehört haben zu suchen.



Quellen: Badische Zeitung, Schwarzwälder Bote, SWR, t-online, ka-news, LKA BaWü (Cold-Case-Management), ZDF „Verbrechen! True Crime“ (Jan. 2026)

Hinweis: Wer Hinweise zum Fall hat, kann sich an coldcase_pfau@web.de wenden.